Wieso, weshalb, warum?

Heutzutage gibt es viele Programme, die einem beim Schreiben helfen. Dabei gehört eine klassische Rechtschreibkorrektur inzwischen zu den Mindestanforderungen jedes PC-Programms. Aber über das ‚Online korrigieren‘ lasse ich mich in einem zukünftigen Beitrag aus – heute soll es um das Gegenteil gehen: Selber korrigieren, ganz offline mit Stift und Papier. Denn trotz schöner Programme kann es nicht schaden, auch mal wieder offline unterwegs zu sein.

Warum? Weil die Gedanken ganz anders abschweifen, wenn wir nicht ständig (und sofort) auf kleine Nebenaspekte, wie z. B. Rechtschreibfehler, hingewiesen werden. So können plötzlich ganz neue Ideen entstehen und der Schreibfluss kommt wie von allein. Probiert es doch mal aus und ihr werdet sehen… 🙂

Deswegen habe ich für euch meine vier Tipps zur Offline-Korrektur gesammelt – back to the roots sozusagen.

1. Schritt: Erstmal alles runter schreiben

Einen Fehler, den ich bei vielen Schreibversuchen mitbekomme, ist es, sich jeden Satz schon vorher genau zu überlegen. Wobei ‚Fehler‘ vielleicht eine etwas harte Bezeichnung ist, trotzdem ist es in der Regel die falsche Herangehensweise. Denn dadurch kommt ihr nie dazu euch am Stück zu überlegen, was ihr eigentlich alles sagen wollt. Mal ehrlich: Die ersten zwei Sätze zu Papier (oder in den PC) zu bekommen, sind immer schwierig, oder? Das verunsichert dann gerne mal so sehr, dass von Beginn an jeder Satz genau durchdacht wird – und ihr am Ende mit dem Ergebnis unzufrieden seid.

Mein Tipp (und dabei ist es egal, ob ihr eine Pressemitteilung, einen Blogbeitrag oder einen Roman schreibt):

Schreib einfach drauf los! Und wenn ihr zwischendurch denkt „Ach, das ist jetzt irgendwie doof beschrieben“, lasst es trotzdem erstmal so stehen. Die Hauptsache ist, dass ihr erstmal eine Art Grundtext formuliert – der Feinschliff folgt ab Schritt 2!

Kleine Pause erwünscht!

Wenn ihr euren ersten Text-Rohling fertig habt, könnt ihr euch erstmal einen Kaffee machen. Nein, nicht weil ihr sofort ein Meisterwerk vollendet habt, sondern weil eine kurze Ablenkung hilft, den Text jetzt noch mal mit etwas Distanz durchzugehen. 🙂

Kleiner Hinweis zwischendurch: Natürlich könnt ihr alle Schritte auch am PC oder Laptop durchgehen. Ich empfehle aber, dass ihr euren Text an dieser Stelle einmal ausdruckt und ihr ab jetzt offline weitermacht. Probiert’s doch einfach mal für euch aus!

Die nächsten Schritte bringen mit sich, dass ihr euren Text mehrmals lest, allerdings achtet ihr jedes Mal auf einen anderen Aspekt. Anstatt also jeden Satz direkt perfekt zu Formulieren, habt ihr jetzt ein Grundgerüst, dass ihr so optimiert, dass die Gesamtheit stimmig ist!

2. Satzlängen

Achtet in der ersten Leserunde nur auf die Satzlängen. Kann man irgendwo noch Punkte machen? Das ist vor allem wichtig, wenn der Text knackig und präzise wirken soll. Macht lieber kürzere Sätze und verbindet sie indem ihr den vorherigen Satz inhaltlich wieder aufgreift.

“ Heute scheint die Sonne und der Himmel ist sehr blau, was ich besonders mag, da ich dann keinen Regenschirm mitnehmen oder eine Regenjacke einpacken muss.“ 

„Heute scheint die Sonne und der Himmel ist blau. Das mag ich besonders, denn ich muss keinen Regenschirm mitnehmen oder eine Regenjacke einpacken.“

Seit ihr mit euren Satzkonstrukten zufrieden? Dann weiter zu Schritt 3.

3. Konjunktionen

Natürlich sollte ihr die Sätze nicht so extrem verkürzen, dass sie dem klassischen „Subjekt – Prädikat – Objekt“ Satzbau stupide folgen. Ich habe aus dem vorherigen Beispiel ja auch nicht das Extrembeispiel gebaut:

„Heute scheint die Sonne und der Himmel ist blau. Das mag ich besonders. Ich muss keinen Regenschirm mitnehmen oder eine Regenjacke einpacken.“

Irgendwann fängt’s sonst an seltsam zu klingen – aber ich traue euch zu, dass ihr den richtigen Grad erkennt. 😉

Schritt 3 widmet sich deshalb den Konjunktionen. Lest euren Text erneut und unterstreicht die Bindungswörter. Wie oft benutzt du „und“? Wie wäre es mal mit „sowie“ oder „sowohl als auch“? Zahlreiche Alternativen findet ihr bei Wikipedia (Liste mit Konjunktionen) oder beim guten alten Duden (Synonyme für ‚und‘).

4. Wortdoppelungen

Alle vorherigen Schritte konntest du mit einem Kuli oder Bleistift machen, aber jetzt halte den Rotstift bereit (oder welche Farbe auch immer du gerne magst – sie muss nur auffallen): Wir konzentrieren uns zum Abschluss auf Wortdoppelungen.

Lies den Text erneut und ganz in Ruhe. Achte dabei nicht auf die Grammatik oder Rechtschreibung, sondern nur auf deine Wortwahl. Unterstreiche Wörter, die sich wiederholen. Versuche anschließend einige der Wörter durch Synonyme zu ersetzen. Das verbessert den Lesefluss und gibt dem Leser unterbewusst ein besseres Gefühl!

Beispiel: Ich habe im letzten Satz zweimal das Wort „besser“ benutzt: Das verbessert den Lesefluss und gibt dem Leser unterbewusst ein besseres Gefühl! Klingt komisch, oder?

Deswegen nochmal anders ausgedrückt: Das vereinfacht den Lesefluss und gibt dem Leser unterbewusst ein besseres Gefühl! 😉

Du fragst dich, wieso bei diesem Schritt die Farbe des Stiftes so wichtig ist?

Beispiel: „Die Sonne scheint heute und keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Da es so sonnig ist, packe ich meine Sonnenbrille ein.“ In diesen zwei Sätzen kommt dreimal das Wort „Sonne“ vor. Dadurch, dass ich die Stellen bunt markiert habe, kann ich leicht sehen, dass ich nur das Wort in der Mitte ersetzen muss, damit der Lesefluss besser wird: „Die Sonne scheint heute und keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Da es so hell ist, packe ich meine Sonnenbrille ein.“

Fertig? Fertig!

Natürlich kann man alle Formulierungen auch als Stilmittel einsetzen und einen eigenen Schreibstil haben – mit diesen kleinen Tipps möchte ich lediglich allen helfen, die gerne ihren eigenen Stil noch finden oder verbessern möchten. Vor allem im beruflichen Bereich, kann man mit diesen kleinen Schritten seine Texte schöner und professioneller klingen lassen!

Und jetzt viel Spaß beim Ausprobieren! 

Eure Su

PS: …Lustig, dass auch ich grade fleißig vom Schreibprogramm korrigiert werde und rote Markierungen den Text durchziehen, oder?  😉