Ich wette: Niemand macht inhaltliche Fehler absichtlich.
Trotzdem kommen sie bei Autoren im Selbstverlag immer wieder vor. Mir tut es besonders leid, wenn dadurch von den Lesern direkt die ganze Geschichte  in Frage gestellt wird. Was aber widerum verständlich ist, denn je nach Fehler, macht die Handlung einfach keinen Sinn mehr.

Mir fallen dazu spontan zig Beispiele aus den unterschiedlichsten Genres ein:

Im Kinderbuch (bis 7 Jahre):
Der Junge, der seine Schuhe liebt, weil er damit so gut rennen kann – nur dass die Schuhe erst grün und dann rot sind. Erklär das mal beim Vorlesen den Kindern! 😉

Im Krimi:
Der Hauptkommissar, der strenger Nichtraucher ist, und sich dann nach dem Finden der dritten Leiche eine Zigarette anzündet, mit dem Kommentar „die Letzte vor dem Aufhören muss jetzt aber sein“.

Im Frauenroman:
Die Erzählerin stellt sich am Anfang als durchschnittlich vor, mit einem Hang zu  zwei bis drei Kilo zu viel auf den Hüften, geht anschließend aber jeden zweiten Tag ins Fitnessstudio und ist stolz auf ihre Bauchmuskeln.

Die Liste kann man (leider) endlos weiterführen.

Aber wie kommt es überhaupt dazu?

Jeder, der gerne schreibt oder sich sogar mal an einem Roman versucht hat, weiß, wie schwierig es ist, eine lange Handlung zu schreiben – und vor allem zu konstruieren. Man muss den Überblick behalten und gleichzeitig immer wieder neue Ideen sinnvoll einbauen. Hinzukommt, dass die wenigstens Menschen die Zeit, Energie und Kreativität haben, einen Roman „mal eben“ in einer Nacht runterzuschreiben. 😉
Man schreibt also genaugenommen immer nur Abschnitte und fügt diese irgendwann zu einem Ganzen zusammen.

Wenn einem also mittendrin die Idee kommt, dass der Kommissar besser rauchen sollte, zum Beispiel damit er in den Raucherpausen neue Infos von den Mit-Rauchern bekommen kann, sollte man noch mal prüfen, was man denn am Anfang (also vor einigen Wochen) zum Thema Rauchen schon geschrieben hat.

Worauf du beim Schreiben achten solltest

Damit du zukünftig solche Fehler in deinen Texten vermeiden kannst, habe ich dir eine kleine Liste der häufigsten inhaltlichen Unstimmigkeiten zusammengestellt:

1. Zeitfehler
Fang nicht im Singular an und wechsle in die Vergangenheit (oder andersherum) – das verwirrt!

2. Wechsel der Erzählersicht
Dein Frauenroman beginnt aus der Sicht von „Julia, der Hauptperson“? Dann fang nicht irgendwann an über sie in der dritten Person zu schreiben oder als Erzähler auf die Handlung herabzublicken.

„Sie war verwirrt, was wollte Luke ihr damit jetzt sagen? Luke dachte sich im gleichen Moment …“ ⇒ Du kannst nicht wissen, was Luke denkt, wenn du aus Julias Sicht schreibst. Und es müsste heißen „Ich war verwirrt …“

3. Falsche Redewendungen oder Verben
Solche Formulierungen fallen dem Leser – je nach Schwere – entweder sofort auf oder hinterlassen nur unterbewusst ein „Irgendetwas passt hier nicht“-Gefühl. So oder so wird der Leser deinen Text vermutlich hinterher nicht mit „Lässt sich super runterlesen“ bewerten.

Mein schönstes Beispiel, das ich erst vergangene Woche gelesen habe:
„Sie kann sie hinter ihrem Rücken tratschen sehen.“
⇒ Gemeint ist: Sie kann sie hinter ihrem Rücken tratschen hören.

4. Die letzte Woche und heutzutage
Seit ich bei einem Journalismus-Job gelernt habe, dass man mit dem Wort „letzte“ vorsichtig umgehen muss, rate ich jedem dazu, das Wort auch beim Schreiben zu meiden. Wieso? Weil meistens stattdessen die Formulierung „vergangene“ gemeint ist.

„Das war in der letzten Mittagspause mit Luke.“
⇒ Hat sie Luke danach nie wieder gesehen oder meint sie nur die „vergangene Mittagspause“? Das kann für die Handlung einen großen Unterschied machen!

Gleiches gilt übrigens für „heute“ und „heutzutage“!

„Früher hat sie solche Filme gerne gesehen, aber heute findet Julia sie doof.“
⇒ Findet sie die Filme also morgen wieder gut oder findet sie sie heutzutage generell doof?

5. „Eigentlich ist eigentlich kein Wort“
Das Zitat stammt von meiner Deutschlehrerin und inzwischen weiß ich auch, was sie damit sagen möchte. Ich selbst benutze das Wort sehr gerne (siehe letzter Absatz 😉 ), aber es stimmt einfach, dass „eigentlich“ immer etwas impliziert: Nämlich das ein „Aber“ kommen muss. „Eigentlich“ funktioniert nicht alleine. Also achte bei deinen Texten am besten darauf

a) das Wort zu meiden oder
b) dazu zu sagen, woher das „Eigentlich“ kommt (also was der Einwand ist).

6. Der Alptraum in eigener Sache
Ich weiß: Der Duden lässt heutzutage beide Schreibweisen zu. Trotzdem stolpere ich immer wieder über den Alptraum. Müsst ihr dabei nicht auch an die Alpen denken?
Vielen meinen Freunden und Kollegen geht es genauso, deshalb dieser kleine Hinweis zum Schluss (nach meinem Geschmack): Nehmt doch lieber die bevorzugte Schreibweise mit b. 🙂

Ich gebe zu:

Wirklich prüfen, ob die Geschichte Sinn macht, kann eigentlich nur ein unabhängiger Dritter, der deine Gedanken als Autor nicht kennt und lediglich das Ergebnis zu lesen bekommt. Das können für den Anfang zum Beispiel Freunde, die Eltern oder ein Leseclub sein. Wenn Sie den Text gelesen haben, kannst du an ihren Fragen erkennen, wie logisch deine Erzählung ist – und nachbessern bevor es an die „echte“ Öffentlichkeit geht. 😉

Wenn du mehr zu dem Thema wissen möchtest, empfehle ich dir noch den Artikel zum Thema Offline Korrigieren.

Liebe Grüße

Su